Uuups, da tickt ja was

Aktualisiert: März 25

Was mein Gynäkologe mit meiner Erkenntnis zu meinem Alter zu tun hat


Von Andrea Maria


Donnerstagnachmittag im Oktober, 17 Uhr, Wien: Heute ist wieder der alljährliche Routinecheck bei meinem Gynäkologen angesagt. 15 Minuten später: „Frau Huttegger, es ist alles in bester Ordnung!“ Diese Worte gehen runter wie Öl, aber plötzlich verzieht sich die Mine meines sehr kompetenten und immer zu Späßchen aufgelegten Frauenarztes, sein Gesichtsausdruck wird ernst: „Aber Sie wissen schon, liebe Frau Huttegger, Ihre innere Uhr tickt!“ - „Oida, waaas?“, schießt es durch meinen Kopf, ich antworte aber dann doch in gemäßigteren Worten und sehr gefasst: „Ja, natürlich! Alles klar, Herr Doktor.“ Ich verlasse die Praxis etwas irritiert. Beim Heimweg in der U-Bahn höre ich ständig: „Frau Huttegger, Ihre innere Uhr tickt. Ihre innere Uhr tickt. Ihre innere Uhr tickt …” Es fühlt sich an, als würde mir mein Gynäkologe auf meiner Schulter diese Worte in Dauerschleife einflüstern, untermalt mit „Tick, tack, tick, tack, tick, tack, tick, tack, tick, tack …“


Jetzt ist es also soweit: Ich bin als Frau in jener Lebenssituation angekommen, in der ihr gesagt wird, dass ihre innere Uhr tickt. Echt jetzt?! Ehrlich, ich hätte mir nie gedacht, dass diese paar Worte doch so einiges in mir bewirken. Aber was genau?


Ich war immer jemand, die altersmäßig auf viel jünger geschätzt wurde, teilweise zehn Jahre jünger – das ist schon cool, muss ich zugeben. Und lange blieb mein geschätztes Alter unter 30, was ich sehr begrüßte. Aber vor kurzem bemerkte ich, dass dieser Zauber allmählich verfliegt, zwei bis drei Jahre unter "der Wahrheit" sind manchmal noch drin in den Schätzungen, aber das war’s dann auch schon. Okey, sehen wir der Realität ins Auge: Das eine oder andere Haar ist schon leicht ergraut und natürlich bleibt die Augenpartie nicht ewig glatt wie ein Babypopsch … Aber hey, sind ja alles Lachfalten, oder???


Unsere weise Wanduhr


Was ist also an diesem Nachmittag im vergangen Herbst passiert? Nun ja, mir wurde meine Vergänglichkeit bewusst. Bitte nicht falsch verstehen: Ich fühle mich nach wie vor sehr jung und überhaupt nicht als alte Dame oder so. Aber mir wurde klar (gemacht), dass wir Menschen – auch ich – älter werden und dass das Leben hier zeitlich begrenzt und endlich ist. Punkt. Ist einfach so. No drama (oder fast no drama ;)).


Genau, unser aller Leben, mein Leben ist vergänglich. Diese Botschaft sehe ich nach der anfänglichen Irritation als riesengroßes Geschenk. Denn, es erinnert mich daran, was wirklich essentiell ist: Mein Leben zu leben, es anzunehmen und es in vollen Zügen so gut es geht zu genießen! Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. Das ist doch genau das, was uns auch Yoga sagen will: Lebe im Hier und Jetzt, akzeptiere was bzw. wie es ist und mach das Schönste und Beste draus!


Ich schreibe diese Worte an meinem 37. Geburtstag mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Im Hintergrund höre ich: „Tick, tack, tick, tack, tick, tack, tick, tack, tick, tack …“ Nein, nicht was du jetzt vielleicht denkst ... Mein imaginärer Gynäkologe ist schon vor einigen Wochen von meiner Schulter geplumpst. Es ist die wunderschöne, antike Wanduhr in unserer Wohnung. Sie erinnert mich jeden Tag daran, wie wertvoll meine Zeit hier in diesem Leben ist. Danke dafür!


Jedes Alter hat (anscheinend) was Tolles


„Wie alt bist du?“ Lustigerweise muss ich immer einen Moment überlegen, wenn ich diese Frage gestellt bekomme. Im Yoga heißt es oft, dass unsere Wirbelsäule unser wahres Alter verrät. Und ich glaub, meine Wirbelsäule fühlt sich noch ziemlich jung an.


Alter bzw. Jugend ist doch immer auch ein Gefühl, das wir nicht unbedingt an einer Zahl festmachen sollten und dürfen, finde ich. Meine Mama sagt, dass jedes Alter für sich spannend, interessant und toll ist. Vor einigen Jahren konnte ich damit noch nicht allzuviel anfangen, mittlerweile erahne ich ansatzweise, was sie damit meint. Ich bin gespannt, was ich da noch so alles erleben darf, denn: Immerhin habe ich beschlossen 111 Jahre alt – ähm jung – zu werden! Da geht also noch so einiges!


(c) Pexels, Jordan Benton

137 Ansichten2 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen